Das Christkind
Fest steht, dass es erst nach 1520 das Licht der Welt erblickte und einen - aus
katholischer Sicht - ketzerischen Mönch als Vater hat. Martin Luther war es, der
aus religionspolitischen Gründen den neuen Kinderliebling einführte.
Die Protestanten lehnten allerdings Heilige ab und mussten ein Gegenstück schaffen.
Sie schwenkten auf den Weihnachtsmann um, in den katholischen Ländern
Süddeutschlands und Österreich blieb man bei der Kinderarbeit, die noch dazu in den
Nachtstunden stattfindet, begleitet von feinem Glöckchengeläut. Das muss im
nordrhein-westfälischen Engelskirchen in der Adventzeit ständig zu hören sein.
In Engelskirchen liegt des Christkinds Schreibstube.
Im Jahr 1985 landeten "An das Christkind" adressierte Briefe im dortigen Postamt - die
Leiterin wollte die Kinder nicht enttäuschen und antwortete. Mittlerweile braucht das
Christkind ein Großraumbüro, um die Korrespondenz zu erledigen: 135.000 Schreiben mussten
im Vorjahr beantwortet werden. Bis in die Karibik und nach Asien gingen die Retourschreiben.
Und das, obwohl Klein-Jesus sonst nur noch in Italien als "Bambinello Gesù" im Brauchtum
verankert ist. Geschenke bringt er dort keine. Das erledigt die Hexe La Befana am 6. Jänner.