Dienstag, 30. dezember 2008 2 30 /12 /2008 12:14
- von ewald

Bei den Protesten gegen die israelische Offensive im Gazastreifen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa war
ein Transparent mit folgendem Text zu sehen: "Tod Bush, Tod Yehud (Jude) Barak, Tod Hosni Barak".
Das Spiel mit dem Namen des ägyptischen Präsidenten zeigt, in welcher Linie für die arabischen
Demonstranten Hosni Mubarak, der zwei Tage vor dem israelischen Angriff Außenministerin Zipi Livni
empfing, steht. Der ägyptischen Regierung wird unterstellt, vorab informiert gewesen zu sein. Unter allen
arabischen Regierungen, von denen viele von den radikalen Sektoren ihrer Gesellschaft als „Komplizen"
der USA und Israels gesehen werden, ist die ägyptische in der unbequemsten Position. Der Gazastreifen
ist auch ägyptisches Erbe. Immer schon nach Ägypten orientiert, stand er nach dem ersten israelischen-
arabischen Krieg von 1949 bis 1967 (mit der Ausnahme einer kurzen Zeit während der Suez-Krise 1956)
unter ägyptischer Verwaltung.

Die Hamas ist ein Abkömmling der ägyptischen Muslimbrüderbewegung. Das Verhältnis zwischen der
Regierung in Kairo und den ägyptischen Islamisten ist nicht unähnlich jenem zwischen Fatah und Hamas:
Naserümpfen und Angst vor Machtverlust. Mit dem Unterschied, dass die Hamas bereits Wahlen - die
qualitativ besten, die es je in der arabischen Welt gab - gewonnen hat.
Das heißt, Kairo würde wohl am liebsten eine hohe Mauer, einen Zaun à la israélienne, zwischen sich und
dem Morast im Gazastreifen errichten: aus Angst, dass Ägypten als dessen einziges Tor zur Welt übrig bleibt,
mit einer Menge politischer und wirtschaftlicher Probleme im Gefolge. Deshalb versucht Kairo einerseits die
Schotten möglichst dicht zu halten , muss jedoch andererseits aus innenpolitischen Gründen die humanitäre
Offenheit für die Gaza-Bewohner betonen. (- immer kritisiert von Israel, dem das noch viel zu wenig ist -).

So wies man etwa lautstark darauf hin, dass die Hamas Verwundete aus Gaza nicht nach Ägypten lassen
würde, wo Hilfe bereitstünde. Gleichzeitig griffen ägyptische Sicherheitskräfte sofort ein, als Palästinenser
am Sonntag versuchten, die Grenzanlagen zu überwinden. In der arabischen Welt kommt bei Demonstrationen
gegen die USA und Israel immer öfter der Unmut mit den undemokratischen Verhältnissen zu Hause zum
Vorschein, für manche Regierungen geht es also um die Stabilität im eigenen Lande. Fast unbemerkt hat sich
jedoch noch ein anderer Aspekt eingeschlichen: der sunnitisch-schiitische. Der Irak unter schiitischer
Dominanz, der regionale Aufstieg des Iran, die Beliebtheit der schiitischen Hisbollah - die 2006 Israel erfolgreich
die Stirn geboten hat - auf den arabischen Straßen und der iranische Einfluss im Gazastreifen schüren
die Ängste der sunnitischen Regierungen. Die ideologisch alles andere als schiitenfreundlich angelegte
Hamas wird als Agentin des Iran wahrgenommen, und die arabischen Regierungen (von denen viele auch
saftige Schecks aus Washington erhalten) rutschen so noch mehr auf die US-Seite.
Nur die Regierung, die den USA "alles verdankt !??" - die irakische - macht nicht mit.
Der schiitische Premier Nuri al-Maliki hat alle arabischen Staaten aufgefordert, die
Beziehungen zu Israel abzubrechen.

veröffentlicht in: Wann lebt man? - Community: Freiheit der Gedanken
Kommentar hinzufügen - Kommentare () - empfehlen
Zurück zur Hauptseite

Profil

  • : ewald
  • : männlich
  • : musik Leben neugierig Lesen internet
  • : Da mich alles mögliche interessiert, greife ich auch jedes Thema auf. Meine Favoriten sind Wissenschaft, Technik, Weltall, PSI, Humor und Alltägliches.

Kategorien

 
Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden