Mit derzeitigen Mitteln lassen sich Gravitationswellen nur indirekt durch ihre Wirkungen auf astronomische Objekte beobachten - was die US-Behörde DIA nicht von einer Prüfung abhielt, ob
derartige künstlich erzeugte Wellen eine Gefahr für die Sicherheit der USA darstellen könnten.
Darüber hinaus sollte die JASON Defense Advisory Group, eine Runde von Wissenschaftern, die die US-Regierung in technologischen Belangen berät, herausfinden, ob die schwer fassbaren Wellen etwa
auch der Langstrecken-Kommunikation dienen könnten. Gravitationswellen sind Störungen in der Raum-Zeit, verursacht durch die Bewegung einer äußerst großen Masse, etwa einem besonders dichten
Stern. Aber auch hier reichen die entstehenden Wellen nicht aus, um selbst die empfindlichsten Sensoren zu einem Ausschlag zu bewegen. Die besten Hinweise auf Gravitationswellen kommen immer noch
indirekt zustande, etwa bei der Beobachtung von superdichten Doppel-Neutronensternen.
Gertsenshtein-Effekt
Gleichwohl wurde das JASON-Team damit beauftragt, einen Finanzierungsantrag der Firma GravWave an DIA genauer unter die Lupe zu nehmen. In dem Papier wird behauptet, man könnte hier auf Erden
starke Gravitationswellen unter Ausnutzung des Gertsenshtein-Effekts künstlich herstellen. Bei dem genannten Effekt entstehen aus elektromagnetischen Wellen, die durch ein besonders starkes
Magnetfeld geschickt werden, tatsächlich Gravitationswellen. Als die Wissenschafter des JASON-Teams die Methode mathematisch durchrechneten, dürften die Unterstützer einer solchen Technik von den
Ergebnissen wenig begeistert gewesen sein:
Alle Kraftwerke der Erde bräuchten länger als die Lebensdauer des Universums um schlussendlich eine Gravitationswelle zu erzeugen, die eine Energie von gerade einmal einem Zehnmillionstel eines
Joules aufweist. Wollte man ein Raumschiff mit dieser Kraft antreiben, das gerade so die Erdanziehungskraft verlassen kann, würde man dafür 1025 Mal die Menge der weltweit erzeugten Elektrizität
benötigen. Die Untersuchung kommt wenig überraschend zu dem Schluss: "Der Vorschlag gehört ins Reich der Pseudowissenschaft." Wissenschafter, die sich der Erforschung von
Gravitationswellen verschrieben haben, geben sich überrascht, dass es überhaupt einen 40-seitigen Report brauchte, um zu diesem Schluss zu kommen. "Die Idee ist absoluter Nonsens", meint etwa
Karsten Danzmann vom Max Planck Institut für Gravitationsphysik in Hannover.
"Es hätte vermutlich gereicht, einen wissenschaftlichen Berater im eigenen Haus zu fragen.", meint der Physiker.
Dennoch gibt er zu bedenken, dass die Finanzierung von Studien zur Prüfung der Sinnhaftigkeit aktueller Projekte grundsätzlich gut ist. "Das Verteidigungsministerium hat immer ein paar Projekte
am Laufen, die die Grundsätze der Thermodynamik verletzen.
Mitte der 90er-Jahre etwa investierte das Pentagon Millionen von Dollar in ein mehrjähriges Projekt zur Entwicklung einer quasi-nuklearen Waffe mit der Bezeichnung Hafnium-Bombe. Wie sich
schließlich herausstellte, basierten die Forschungen dazu auf wissenschaftlichem Unsinn. In diesem Licht gesehen waren die Gelder für die JASON-Gruppe zur Widerlegung der Gravitationswellen-Idee
vermutlich sogar gut investiertes Geld.
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